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Batteriespeicher am Regelenergiemarkt: wie die Vermarktung funktioniert

Wie Batteriespeicher Regelreserve bereitstellen: Produkte, Präqualifikation, Pooling über einen Aggregator und wie sich Regelenergie mit Eigenverbrauch kombinieren lässt.

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Ein Batteriespeicher, der nur den Eigenverbrauch optimiert, arbeitet die meiste Zeit nicht. Er lädt, wenn die PV-Anlage Überschuss liefert, und entlädt, wenn der Betrieb Strom braucht — dazwischen steht er. Genau diese ungenutzte Zeit ist der Grund, warum Speicher zunehmend auch am Regelenergiemarkt vermarktet werden.

Dieser Artikel beschreibt, wie das technisch und organisatorisch abläuft, und wo die Grenzen liegen.

Was Regelenergie ist

Das Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt genau so viel Energie enthalten, wie entnommen wird. Weicht die Einspeisung von der Entnahme ab, ändert sich die Netzfrequenz. Um sie bei 50 Hertz zu halten, kaufen die Übertragungsnetzbetreiber Leistung ein, die auf Abruf zusätzlich einspeist oder zusätzlich aufnimmt — das ist Regelenergie.

Die Produkte sind nach Reaktionsgeschwindigkeit gestaffelt:

  • Primärregelreserve (FCR) — wirkt sofort und automatisch auf Frequenzabweichungen. Sie wird nicht vom Netzbetreiber abgerufen, sondern reagiert autonom auf die gemessene Frequenz. Siehe Frequenzregelung.
  • Sekundärregelreserve (aFRR) — löst die Primärreserve automatisch ab und führt die Frequenz zurück auf den Sollwert.
  • Tertiärregelreserve / Minutenreserve (mFRR) — wird vom Netzbetreiber manuell abgerufen und entlastet die Sekundärreserve bei längeren Störungen.

Für Batteriespeicher sind vor allem die schnellen Produkte interessant. Ein Speicher kann seine Leistung nahezu verzögerungsfrei und in beide Richtungen stellen — er kann also sowohl einspeisen als auch aufnehmen. Ein thermisches Kraftwerk kann das nicht in derselben Geschwindigkeit.

Warum ein einzelner Speicher nicht ausreicht

Die Ausschreibungen der Netzbetreiber verlangen Mindestgebotsgrößen im Megawattbereich. Ein Gewerbespeicher mit einigen hundert Kilowattstunden erreicht diese Schwelle allein nicht.

Der übliche Weg führt deshalb über einen Aggregator: Er bündelt viele verteilte Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk und tritt damit als ein Marktteilnehmer auf. Für den Betreiber der einzelnen Anlage bedeutet das:

  • Der Speicher wird an das Leitsystem des Aggregators angebunden — technisch über das EMS, meist per Modbus oder eine vergleichbare Schnittstelle.
  • Der Aggregator übernimmt Marktzugang, Gebotsabgabe und Abrechnung.
  • Er führt in der Regel auch die Präqualifikation für das Pool durch.

Präqualifikation: der Nachweis vor dem Markt

Bevor eine Anlage Regelreserve anbieten darf, muss sie beim Übertragungsnetzbetreiber präqualifiziert werden. Geprüft wird im Kern, ob die Anlage hält, was das Gebot verspricht:

  • Kann sie die zugesagte Leistung innerhalb der geforderten Zeit stellen?
  • Kann sie diese Leistung über die geforderte Dauer halten? Hier wird die nutzbare Energie relevant — also Speichergröße und Entladetiefe, nicht nur die Speicherleistung.
  • Sind Messwerterfassung und Datenübertragung so ausgeführt, dass der Abruf nachweisbar ist?

Läuft die Vermarktung über ein Pool, trägt der Aggregator den Großteil dieses Verfahrens. Der Anlagenbetreiber liefert die technischen Daten und stellt die Anbindung sicher.

Was das für die Auslegung bedeutet

Regelenergie ändert die Anforderungen an den Speicher — und zwar in Richtung Leistung statt Kapazität.

Beim reinen Eigenverbrauch zählt vor allem, wie viel Energie der Speicher aufnehmen kann. Bei Regelreserve zählt, wie viel Leistung er über eine definierte Zeit sicher stellen kann. Ein Speicher, der für Eigenverbrauch optimal dimensioniert ist, ist für Regelenergie selten optimal — und umgekehrt.

Zwei Punkte, die in der Praxis regelmäßig unterschätzt werden:

  1. Zyklenbelastung. Regelenergie bedeutet häufige, kleine Lade- und Entladevorgänge. Das beansprucht die Zellen anders als der ruhige Tagesrhythmus des Eigenverbrauchs. Die erreichbare Zyklenzahl und die Degradation gehören deshalb in jede Betrachtung, ebenso der Wirkungsgrad — jeder Umlauf kostet Energie.

  2. Reservierte Kapazität. Wer Regelleistung verkauft, muss sie im vereinbarten Zeitraum vorhalten. Dieser Teil des Speichers steht für Peak Shaving oder PV-Überschuss nicht zur Verfügung. Die Kapazität lässt sich nicht doppelt verkaufen.

Regelenergie, Arbitrage, Peak Shaving: die Abgrenzung

Regelenergie wird häufig mit Stromarbitrage in einen Topf geworfen. Das sind zwei verschiedene Dinge:

  • Bei Regelenergie wird Leistungsvorhaltung vergütet — der Speicher wird dafür bezahlt, verfügbar zu sein, unabhängig davon, ob abgerufen wird.
  • Bei Arbitrage wird die Preisdifferenz genutzt: laden, wenn Strom günstig ist, entladen, wenn er teuer ist. Das setzt einen dynamischen Stromtarif oder direkten Marktzugang voraus.
  • Beim Peak Shaving geht es gar nicht um den Strommarkt, sondern um die eigene Netzrechnung: Der Speicher kappt Lastspitzen und senkt damit die leistungsbezogenen Netzentgelte.

In der Praxis werden diese Erlösarten kombiniert. Welche Kombination trägt, hängt an Ihrem Lastprofil, am Netzanschluss und daran, wie viel Kapazität Sie für den eigenen Betrieb reservieren müssen. Diese Rechnung lässt sich nicht allgemein aufmachen — sie gehört in die konkrete Projektprüfung.

Wie ein Projekt üblicherweise abläuft

  1. Lastprofil und Bestand erheben — 15-Minuten-Werte über mindestens ein Jahr, PV-Erzeugung, Netzanschlussleistung.
  2. Erlösarten priorisieren — meist trägt die Senkung der eigenen Kosten (Peak Shaving, Eigenverbrauch) sicherer als die Marktvermarktung. Regelenergie kommt als Zusatz obendrauf.
  3. Speicher auslegen — Leistung und Kapazität getrennt betrachten, Reservierung für die Marktvermarktung einplanen.
  4. Aggregator auswählen — Schnittstelle, Vertragslaufzeit und Abrechnungsmodell klären, bevor die Anlage bestellt wird. Nicht jedes EMS spricht mit jedem Leitsystem.
  5. Präqualifikation — gemeinsam mit dem Aggregator und dem Netzbetreiber.

Der vierte Punkt ist der, der am häufigsten zu spät kommt. Die Anbindungsfähigkeit an ein Leitsystem ist eine Eigenschaft des Speichers, keine Einstellung — wer sie nachrüsten muss, zahlt doppelt.

Häufige Fragen

Welche Regelenergieprodukte gibt es?

Die Regelreserve ist nach Reaktionsgeschwindigkeit gestaffelt: Primärregelreserve (FCR) stabilisiert die Netzfrequenz sofort und automatisch, Sekundärregelreserve (aFRR) löst die Primärreserve automatisch ab, Tertiärregelreserve oder Minutenreserve (mFRR) wird vom Netzbetreiber manuell abgerufen. Batteriespeicher sind vor allem für FCR und aFRR interessant, weil sie ihre Leistung sehr schnell und in beide Richtungen stellen können.

Kann ein einzelner Gewerbespeicher Regelenergie liefern?

In der Regel nicht allein. Die Ausschreibungen verlangen Mindestgebotsgrößen im Megawattbereich, die ein einzelner Gewerbespeicher selten erreicht. Der übliche Weg ist das Pooling: Ein Aggregator bündelt viele Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk und tritt gemeinsam am Markt auf. Die technische Anbindung an dessen Leitsystem läuft über das EMS Ihres Speichers.

Was ist die Präqualifikation?

Ein Nachweisverfahren beim Übertragungsnetzbetreiber, bevor eine Anlage Regelreserve anbieten darf. Geprüft werden unter anderem die Fähigkeit, die zugesagte Leistung innerhalb der geforderten Zeit zu stellen und zu halten, die Messwerterfassung und die Anbindung an die Leittechnik. Führt der Aggregator die Präqualifikation für das Pool durch, übernimmt er den Großteil des Verfahrens.

Lässt sich Regelenergie mit Eigenverbrauch kombinieren?

Ja, aber nicht beliebig. Wer Regelleistung verkauft, verpflichtet sich, eine bestimmte Leistung im vereinbarten Zeitraum vorzuhalten — dieser Teil der Kapazität steht für Lastspitzenkappung oder PV-Eigenverbrauch dann nicht zur Verfügung. In der Praxis wird der Speicher deshalb aufgeteilt oder zeitlich getrennt gefahren. Welche Aufteilung sinnvoll ist, hängt an Ihrem Lastprofil.

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